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Doktor Ludger Stratmann
Autor des Buches Heute komm ich ma mit mein Ball Jupp seine WM |
| Wann und wo wurden Sie geboren? |
23. Juli 1948
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| Und wo? |
In Ostwestfalen Verl bei Gütersloh |
| Wo wohnen Sie heute? |
In der grünsten und wohl auch angenehmsten Stadt des Pottes Bottrop |
| In welcher Situation haben Sie den Jupp erfunden? |
Jupp ist der ehemalige Extrakt aus 50 Patienten meiner Praxis, die aber auch alles mit ihrem Halbwissen besser wussten als der Arzt und das Wartezimmer immer mit neuen Krankengeschichten und dramatischen Verläufen langweilten. Den Arzt übrigens auch.
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| Hat er Ähnlichkeiten mit Ihnen selbst? |
Wohl weniger, nur äußerlich identisch, von der Denke her geht mir Jupp mit seinen nicht passenden Bezügen und seinen übertreibungen auf den Nerv. |
| Was unterscheidet Jupp von Doktor Stratmann? |
Doktor Stratmann ist ein eher analytischer Mensch, der die Texte von Jupp so aufbaut, dass sie dem Leser/Hörer gefallen, also kundenorientiert, mathematisch von der Gagdichte. |
| Ist Jupp ein typischer Ruhrgebietler? |
Auf jeden Fall. Der Pragmatismus, der ihn auszeichnet, und die herrliche Reduktion der Sprache, die dennoch sehr treffend sein kann, ist typisch Ruhri! (Innerörtlich fahre ich auch nur so schnell, wie ich mir das finanziell erlauben kann! Wenn ich jetzt nicht bald meine Schlaftablette kriege, schlafe ich noch von alleine ein! Frauen haben ein Gespür für Spaß, den sie einen verderben können!) |
| Welche Eigenschaft schätzen Sie besonders an ihm? |
Die Sprache, mit wenig Worten so viel Milieu auszudrücken. |
| Was lesen Sie gerne an Ruhrgebietsliteratur? |
Bin kein großer Leser, habe aber die Bücher meiner berühmten Kollegen wie etwas Knebels "Boh glaubse" natürlich gelesen und Spaß daran gehabt. |
| Welche Stadt im Ruhrgebiet ist für Sie die schönste? |
B O T T R O P
Warum? Ich kenne in der Fußgängerzone fast jeden, kann Quätschken halten, beim Einkaufen kuckt mir keiner mehr nach, die Aufregung hat sich gelegt, und typisch für Bottrop, ich duze den ehemaligen OB was mir eine Ehre ist. |
| Welchen Ruhrgebietler finden Sie richtig toffte? |
Ich müsste hier 20 aufzählen, was ich aber mal aus Sensibilitätsgründen lasse. Postmortal natürlich Jürgen von Manger, August Everding, die ich beide noch persönlich kennen lernen durfte, na ja kennen ist zu viel gesagt, aber gegrüßt und kurz gesprochen. |
| Und welche Ruhrgebietlerin? |
Allein bei uns inne Strasse 100, so viel Papier habt Ihr gar nicht, um alle aufzuzählen. |
| Wohin sollten Touristen gehen, wenn sie mal "echt Ruhrgebiet" erleben wollen? |
Erst mal die typischen Zechen abklappern, und wenn sie dann wissen, wo die Bergleute sich schon mal geduscht haben, kann man zu den schönen Dingen übergehen. Als wenn das Ruhrgebiet sich nur über Arbeit identifizieren würde, im Quadrat Bilder kucken, im Heimatmuseum oder Folkwang in Essen auffen neuesten Stand bringen, auffen Kennedyplatz in Essen nen Kaffee trinken, oder mal im Stratmannstheater Kultur genießen, Gruga, Baldeneysee, Bermudadreieck Bochum, Rhein-Herne-Kanal vonne Brücke spucken, Tetraeder, Gasometer und so weiter und so weiter, alles in allem mal rechts und linkes vonne A 40 und A 42 kucken. |
| Wo möchten Sie gerne leben, wenn nicht im schönen Ruhrgebiet? |
Am liebsten in einer Penthousewohnung in Köln mit Blick auf den Rhein. Am zweitliebsten auf einem Bauernhof in Ostwestfalen und am drittliebsten in einer kleinen schmierigen Erdgeschosswohnung integriert auf der Reeperbahn. Habe ich mal gewohnt während meiner Auftritte im St. Pauli Theater, das hatte was. Länger dürfte wohl zu Schlafdefiziten führen.
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| Wenn Sie die Möglichkeit hätten, drei Dinge im Ruhrgebiet sofort zu verändern/verbessern welche wären das? |
Aus der nächsten frei werdenden Waschkaue kein Kulturzentrum zu machen! Die Stadtoberen davon überzeugen, dass Kultur erst mal im Kleinen stattfindet, Salzburg ist Salzburg und Castrop-Rauxel ist Castrop-Rauxel!
Ich würde außerdem versuchen, statt immer neue Einkaufszentren zu genehmigen, mit Abwanderung der Leute in neue aus dem Boden gestampfte Zentren (s. Berliner Platz in Essen, Centro, Rhein-Ruhr-Zentrum MH, Bochum etc.) die alten Innenstädte zu beleben, nicht mit kostenloser Kultur, Würstchenbuden oder Flohmärkten, sondern mit Ansiedlung von attraktiven Geschäften dort. Es gibt nirgends auf der Welt soviel Einkaufsfläche pro Einwohner wie in Deutschland, und das Ruhrgebiet ist daran nicht unerheblich beteiligt, das führt zu Verdrängung und Verwahrlosung der alten Innenstädte. |