Verlag Henselowsky Boschmann • Lexikon der Ruhrgebietssprache
Werner Boschmann
Lexikon der Ruhrgebietssprache
von Aalskuhle bis Zymtzicke
Mit einer Revier-Grammatik und
den Höhepunkten der deutschen Literatur
- in reinem Ruhrdeutsch -

120 Seiten, gebunden, mit vielen Fotos;
ISBN 3-922750-01-X, 7. Auflage
9,90 €
Lexikon der Ruhrgebietssprache
Die Neuauflage dieses Standardwerkes spiegelt die aktuellen und aktuellsten Veränderungen dieses wichtigen, ja vielleicht des wichtigsten Dialektes, den der deutsche Sprachraum besitzt, wider. Und so enthält die Neuauflage des Lexikon der Ruhrgebietssprache unter anderem:

• Vollständige Grammatik der Ruhrgebietssprache
• Erstmalig die zehnstufige Liste der ruhrdeutschen Trunkenheitsgrade
• Erstmalig das Börsen ABC auf Ruhrdeutsch, dessen Durchsetzungsfähigkeit auch auf dem internationalen Parkett optimistisch betrachtet wird
• Die Revier-Beleidigungsstufen mit 241 exakt zugeordneten Beleidigungen
• Liebliche Bezeichnungen von Lappes bis Etteken
• Wichtige Gesprächsregeln für Anfänger und Fortgeschrittene
• Die Höhepunkte der deutschen Literatur
»Alles was man braucht, um im Ruhrgebiet mitreden zu können.«

Inhalt:

Lexikon der Ruhrgebietssprache
Von Aalskuhle (4) bis Zymtzicke (83)

Sprache, Sprechen und Schreiben
Grammatik der Ruhrgebietssprache (84)
Besonderheiten der Schreibung (90)
Sprachspezialitäten (92)
Trunkenheitsgrade (94)
Börsen ABC (95)
Revier-Beleidigungsstufen (96)
Liebliche Bezeichnungen (100)
Wichtige Gesprächsregeln (102)

Höhepunkte der deutschen Literatur
Ruhrgebietshymne (104)
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten (105)
Faust (106)
Der Zauberlehrling (108)
Knecht Ruprecht (111)
Max und Moritz im Kohlenpott (112)
Der Froschkönig (114)
Ruhrgebiets-Kinderverse (118)

Höhepunkte der deutschen Literatur
Johann Wolfgang von Goethe: Faust - der Tragödie erster Teil - Auszug
(erste Begegnung von Faust und Gretchen; Gretchen am Spinnrade)
Straße. Faust.
Margarethe vorübergehend.
Faust
Ey, lecker Mäusken, daaf ich wagen,
Dich en bissken anzugraben?
Gretchen
Is nix mit Baggern, bin kein Mäusken,
Geh nur solo inn’t Kabäusken.
(Sie macht sich los und ab.)
Faust
Verdorri, wat en lecker Dier,
Echt sisselmissel wurdet mir.
Wat en Zinken, wat ne Schnüss,
En bissken schnippisch se auch is.
Kulleräugskes, gaanich dumm,
Dat haut den stärksten Fuhrmann um.
Und angepillert hatse mich,
Dat krich ich ausse Birne nich.
(Mephistopheles tritt auf)
Faust
Die Olle musse mich besorgen.
Mephistopheles
Wat für eine?
Faust
Lieber gez als morgen.
Mephistopheles
Dat Etteken, dat grad vorbeigedackelt?
Dat hat dich richtich angefackelt?
Von ihrn Popen kam den Dopp.
Sacht zu den schwatten Schlunzekopp,
Se hätt kein Sündken, wär ne Töffte,
En Seger se nich ham tun möchte.
Bei sonne ipschig Edelschnalle
Sein Teufel seine Muckis alle.
Faust
Ja, tu ich denn der Leo sein,
Dat geht in meinen Kopp nich rein,
Sonz biss Graf Rotz, ziehs ab ne Schau,
Sollz ma malochen, machse blau.
Son echten Hufentünnes ausse Hölle
Kricht sonen Dotz nich aufe Kelle?
Se liegt heut abend in mein Arm,
Sonz kannze mich ma gerne ham!

Lexikon: Buchstabe R (Auszug)

Rabotti
: Geld; Rabotti machen - arbeiten, um viel Geld zu verdienen

Rickiticki: Trubel, gute Stimmung; im Gegensatz zu Remmidemmi aber im Kreise schunkelnder älterer Menschen; Rickiticki-Musik - Volksmusik mit Bläsern und viel Rumtata, besonders dem volkstümlichen Cha-Cha-Cha (Inne Rathausstübkes gibtet samstach widder Rickiticki-Musik mit dat dolle Diamant-Quartett.)

Ringelpitz: anspruchsloses Tanzvergnügen; Ringelpitz mit Anpacken - gesteigertes anspruchsloses Tanzvergnügen

Rochus: Wut; en Rochus ham - wütend sein mit dem Ziel, jemandem eins auswischen (Ich hab son Rochus auf den, den wünsch ich de Krätze annen Balch.)

Röllekes: Lockenwickler (Sonne Bratze wie die tapert mit ihre Röllekes inne Haare sogaa inne Kaastatt.)

Rotz: Nasenausfluß; Rotzfahne - Taschentuch; Rotziger - frecher Junge; ey, Rotzigen - Anrede kleinerer Jungen, die einen pfiffigen Eindruck machen; Graf Rotz vonne Pelzwiese (auch: Graf Rotz vonne Gasfabrik) - Person, die in übertriebenem Maße Reichtum zur Schau stellen will, obwohl sie diesen gar nicht besitzt; tun wie Graf Rotz vonne Pelzwiese - eingebildet sein, angeben (Da bretterter mit seine Kubitschko-Karre rund ummen Pferdemarkt wie Graf Rotz vonne Pelzwiese.)

rubbeldekatz: schnell; meist eingeschoben, um das Tempo einer Handlung auszudrücken (Und dann hüppt de Flappmann - rubbeldekatz - aussen Fenster.)

ruckeln: in kurzen Schüben an etwas ziehen; ziemlich krampfhaft; (Da hab ich glatt zwei Minuten anne Tür ruckeln müssen, bevor dat dat Dingen ausse Angeln ging.)

Remmidemmi: Trubel; da is Remmidemmi - impliziert die Aufforderung, auf ein Fest, eine Party oder Fete zu gehen, auf der der Bär tanzt

Rachulla: geldgierige Person; rafft Geld zusammen und überlegt dreimal, bevor sie auch nur eine Mark ausgibt

Racker: Kind bis zw Farbe zwölf Jahre

Rappel: Nervosität; en Rappel kriegen - die Nerven verlieren, sich aufregen; nicht so intensiv und explosiv wie de Pimpernellen kriegen; rappelig - nervös; Rappelfott - Mensch, der vor lauter Nervosität nicht stillsitzen kann; Rappeltriene - nervöses junges Mädchen

rappeln: unkontrolliert und heftig bewegen; meist mit Lärm verbunden; da hattet gerappelt - ein Unfall hat sich ereignet; et rappelt gleich - gleich passiert etwas; auch Androhung, daß man bald die Geduld verliert

rappelvoll: überfüllt; oft in Zusammenhang mit Vergleichen (Wie bein Schlußverkauf inne Wollwott, so rappelvoll waa dat da.)

rappzappzapp: schnell; machma rappzappzapp - Aufforderung, sich zu beeilen, zum Ende zu kommen

rattendoll: 1) gierig; rattendoll sein - etwas mit Intensität besitzen oder erreichen wollen; 2) übernervös, hektisch; oft als kritische Bewertung von scheinbar unvernünftigen Handlungsweisen (Biss wohl rattendoll, dich en Paar Schlappen fürn Hunni zu kaufen, wa?)

ratzen: schlafen; noch tiefer und ruhiger als poofen (Hab geratzt wie wenn tot.)

Reibach: Verdienst, Gewinn; Reibach machen - bei einem Geschäft eine hohe Gewinnspanne erzielen

reihern: (ähnlich: göbeln) sich übergeben; bezieht sich zumeist nicht so sehr auf die Magenentleerung aufgrund eines krankhaften Zustandes, sondern auf die nach übermäßigem Alkoholgenuß

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