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Dr. Antonia Cervinski-Querenburg Sprachforscherin mit dem Buch
• Daaf ich Sie noch man wat lernen |
| Frau Dr. Antonia Cervinski-Querenburg, Sie haben sich ja rar gemacht bei uns im Revier. Welchem Umstand verdanken wir denn nach so langer Abwesenheit die Ehre Ihrer Rückkehr? |
Wat heißt hier raa? Ich bin doch keine Antequität.
Und gehen Se mich weck mit die Ähre von meine Rückkehr und die ganze Ironie. Fragen Se mich wat Eimfacheret. |
| Was soll ich Sie denn fragen? |
Zum Beispiel: Wo waan Se denn gewesen? |
| Also gut, wo sind Sie gewesen? |
Bayern. |
| Und was machen Sie da? Wollen Sie den Bayern Ruhrdeutsch beibringen? |
Da liegen Se gaa nich so schief, wie Se reden. Mit meine Sprachstudien tu ich überall wat für et Ruhrdeutsch. Aber dat erklär ich Sie später. |
| Worum geht es denn bei Ihren neuen Sprachstudien? |
Vergleichende Sprachsozzelogie, wissen Se doch. Ich tu die Leute wat lernen. Hauptsächlich Ruhrdeutsch. |
| Wat lernen? |
Wat lernen! Ich hab doch da unten anne Unni getz son Lernstuhl. |
| Einen Lernstuhl? |
Ja, wat kucken Se da so! Von den Lernstuhl aus tu ich die Studenten wat lernen. |
| Oje. Ein Lehrstuhl. Muss ich Sie jetzt Frau Professor nennen? |
So weit kommt dat noch. Ich möcht Sie nur noch en bissken wat lernen. |
| Ruhrdeutsch, nehme ich an. |
Dat is sehr angenehm, wat Sie da annehmen. Genau dat will ich. |
| Frau Dr. Antonia Cervinski-Querenburg, auch wenn Sie jetzt - wie Sie so schön formulieren - "die Leute in Bayern wat lernen", so sind Sie doch ein Kind des Ruhrgebiets. Sonst könnten Sie ja auch nicht Ruhrdeutsch sprechen. |
Lernen kannze allet. Auch Fremdsprachen. Und dat ich en Kind wäre, dat tu ich mich verbieten, schon ers recht von Sie, Herr Reporter. Aber sonz stimmt dat schon. Ich bin außen Ruhrgebiet. |
| Woher genau, wenn ich fragen darf? |
Wolln Se getz wissen, ob meine Omma ihre Wiege anne Emscher waa? Dat tut doch nix zur Sache. Ruhrgebiet is Ruhrgebiet. |
| Aber Sie sind eine geborene Cervinski? |
Dat ham Se haaschaaf aus mein Doppelnamen kombeniert. |
| Ihr Herr Vater hat eine gewisse lokale Berühmtheit erlangt. |
Wat heißt hier Lokal. Mein Vatter, den alten Cervinski, is nich nur bei Taumvatters Jupp eingekehrt, der is auch inne Litteratur eingegangen. |
| Sie meinen die historischen, um nicht zu sagen klassischen Essays von Kumpel Anton, die so viele Jahre in der WAZ zu lesen waren? |
Die mein ich. Op dat nu Ässehs waan und ob dat mit dat Historische so stimmt, weiß ich nich. Aber gedenfallz waa der Cervinski die Seele vonnen Anton. Oder umgekehrt. Vleicht waa auch der Anton die Seele vonnen Cervinski. |
| Ich vermute, es ist kein Zufall, dass Ihr Herr Vater Ihnen den Vornamen Antonia gab? |
Meine Güte, Sie immer mit Ihrn Herr Vater. Mein Vatter waa en netten Kumpel. Und den Kumpel Anton waa den sein Kumpel und mein Pate. Stimmt. |
| Und Querenburg? Heißen Sie so, weil Sie dort studiert haben? |
Ja, ham Se se nimmehr alle? Ich nenn mich doch nich nach ne Unni. Querenburg, dat is der Schwiegersohn von den alten Cervinski. |
| Nun gut. Ihr Gatte also. |
Den Gatte könn Se sich schenken. Der Queri is auch nich son feinen Pinkel. Dat hätten Se doch ahnen können. |
| Frau Dr. Antonia Cervinski-Querenburg, wenigstens hab ich getz ne Ahnung von Ihre Ahnen. |
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