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Werner Streletz
Autor der Romane Kiosk kaputt, Pokalkampf und des Streletz-Blocks |
| Wann wurden Sie geboren? Und wo? |
Am 6. März 1949 in Bottrop. |
| Wo wohnen Sie heute? |
In Bochum. |
| Als was arbeiten Sie? |
Als Kulturjournalist und Schriftsteller. |
| Wie sah Ihre erste Erfahrung im kreativen Umgang mit Literatur aus? |
Ich habe durch die surrealistische Maxime "Surrealisten arbeiten nicht, sie haben Wichtigeres zu tun" eine gewisse Skepsis gegenüber geregelter Erwerbsarbeit entwickelt. |
| Gibt es Autoren, die Sie besonders geprägt und beeinflusst haben? |
Edgar Allan Poe, Charles Bukowski, Peter Handke, Günter Grass. |
| Sie sind bekannt für Gedichte in der Sprache des Ruhrgebiets. Warum ist im Roman "Kiosk kaputt" Ruhrgebietssprache lediglich punktuell prägnant? |
Ich habe meine poetischen Feldforschungen in Sachen Ruhrgebietssprache schon vor einigen Jahren beendet. Im Übrigen ist für die Art, mit der ich versucht habe, aus dem Ruhrgebiets-Slang neue, lyrische Funken zu schlagen, die knappe Form des Gedichts besser geeignet. |
| Hans Jansen, der langjährige Feuilleton-Chef der WAZ, sagt zu ihrem Roman: "Kiosk kaputt ist ein Roman unserer Zeit. Doch er verweigert sich der fahrlässigen Euphorie des Zeitgeistes." Stimmen Sie ihm in dieser Einschätzung zu? |
Absolut. Zwar spielt der Roman im Ruhrgebiet des Strukturwandels, er bleibt aber auf Distanz gegenüber den Segnungen, die mit dem aufgehübschten Revier verbunden sein sollen. |
| Ein Hauptakteur in "Kiosk kaputt" ist der "feine Pinkel" Wolf Hasso. Gibt es für diese Aufsteiger-Figur ein konkretes Vorbild? |
Mein Onkel Fritz, der kürzlich verstorben ist. Er war in meiner eher bodenständigen Familie der angeheiratete Beamte aus Bockum-Hövel, der mit seiner Reformhauskost und seinen festgefügten Gewohnheiten und Tischsitten meine Oma beinahe zum Wahnsinn getrieben hat. |
| Geht die Kiosk-Kultur im Ruhrgebiet ihrer Meinung nach tatsächlich kaputt? |
Nein. Es werden allerdings schon seit geraumer Zeit allüberall so viele Kioske eröffnet, manchmal in enger Nachbarschaft zueinander, dass sie sich gelegentlich gegenseitig kaputt machen. |
| Jens Dirksen, Literaturkritiker der NRZ, schreibt: "So ist denn auch die Lektüre dieses Romans, vielleicht nicht untypisch fürs Revier, zu einem guten Teil Arbeit. Die lässt am Ende erkennen, dass nicht alles, was kaputt geht im Revier, erhaltenswert wäre - und dass vieles, aber längst nicht alles von außen kaputt gemacht wird." Was meint er Ihrer Meinung nach konkret damit, dass im Ruhrgebiet vieles "von außen kaputt gemacht wird"? |
Ich glaube, er meint damit, dass aus ökonomischen Gründen internationale und damit sterile Standards für das Ruhrgebiet übernommen und akzeptiert werden, die dem Eigentümlichen der Region abträglich sind. Aber das kann natürlich nur eine Vermutung von mir sein. |
| Haben Sie die Gegenspieler des "feinen Pinkel", die Brüder Dani, äußerlich und innerlich mit den Zügen eines typischen Ruhrgebietlers ausgestattet? |
Nein, nicht unbedingt. Hier sind die Vorbilder zwei Brüder, von denen ich als Schüler gepiesakt worden bin. Deren Entwicklung habe ich bis ins Erwachsensein weiterfabuliert. Die Charaktere gründen zwar auf einem Humus, der vielleicht nur im Ruhrgebiet zu finden ist, als wirklich typisch würde ich sie aber nicht bezeichnen. |
| Sind Sie auch einer? |
Nein, dafür leide ich zu oft daran. |
| Welchen Ruhrgebietler finden Sie richtig toffte? |
Helge Schneider. |
| Und welche Ruhrgebietlerin? |
Tana Schanzara. |
| Was lesen Sie gerne an Ruhrgebietsliteratur? |
Prosa von Michael Klaus. |
| Welche Stadt im Ruhrgebiet ist für Sie die Schönste? |
BO-BOT und Marl in seiner eigentümlich-berührenden Tristesse. |
| Wohin sollten Touristen gehen, wenn Sie mal "echt Ruhrgebiet" erleben wollen? |
Zu Richard Serras "Bramme" auf der Schurenbachhalde in Altenessen - samt Panoramablick über das Ruhrgebiet. |
| Ihr Lieblingsplatz im Ruhrgebiet? |
Das Schauspielhaus in Bochum. |
| Wo möchten Sie gerne leben, wenn nicht im schönen Ruhrgebiet? |
In Düsseldorf, um wieder zurück fliehen zu können. |
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Wem sollte das Ruhrgebiet ein Denkmal bauen, und wo sollte es stehen?
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Meinem Onkel August, schon lange tot, der mit seinem Rentnertrupp früher ständig in der Stadt unterwegs gewesen ist. Und dem ich dort als Kind zwangsläufig immer wieder begegnet bin. - Im Stielmuspark zu Bottrop sollte sein Denkmal stehen. |
| Was ist Ihre früheste Erinnerung an das Revier? |
Die kleine Nepomuk-Statue (damals noch keine Kopie) am Eingang zum Stadtgarten in Bottrop. |
| Wo im Revier soll ihre Asche verstreut werden? |
Überm Bochumer Schauspielhaus. |